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Das Historische Spital

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Liebe Leserin, lieber Leser,

auf dieser Seite sollen einmal Infomationen, Bilder und Geschichten zu unserem historischen Spitalgebäude gesammelt werden. Momentan ist die Seite im Aufbau begriffen, deswegen unvollständig, unredigiert und möglicherweise auch mit falschen Information, Druckfehlern und Irrtümern behaftet. Sollten Sie solche finden, oder haben Sie Informationen, Bilder, Geschichten zur Historie des Spitals, so bin ich für Infomationen und Material sehr dankbar und würden mich freuen, dieses veröffentlichen zu dürfen! Hierfür steht die Adresse spital(at)orthospital.de zur Verfügung.

Herrn Wolfgang Schütz danke ich bereits jetzt ganz herzlich für seine Mithilfe, diese Informationen zusammenzustellen und dafür, aus seinen umfangreichen Schriften zur Stadtgeschichte zitieren zu dürfen!

Klaus Fischer

1358 Stiftung des Spitals „Zu unserer lieben Frau“durch die Begine Hail Brotbekin (1)
1364 Weihe der Spitalkirche (1)
1379 Die Stadt erwirbt die Vogtei über Weiler Ihingen (1)
1388 Schlacht bei Döffingen (1)
1401 Stiftung der St.Agnes-Pfründe im Spital durch die Familie Risplin (1)
1404 Erste Erwähnung der Renninger Vorstadt (1)
1436 Brotalmosen im Spital, gestiftet durch Dr.Hugo Kyme (bestand bis 1914!) (1)
1477 Bau des Hauptgebäudes des Spitals (1)
Um 1480Sippenaltar in der Spitalkirche (1)
1501 die Bruderschaft der Weberknechte stiftet Kerze in die Spitalkirche (1)
1533/34 ältestes Spitallagerbuch (1)
1649 Verkauf des Ihinger Hofs (1)
1747 Barockältäre von Joseph Höchstätter in der Spitalkirche (1)
1802 Weil wir württembergisch (1)
1807 Gründung Oberamt Weil (1)
1808 Aufgang ins Oberamt Leonberg (1)
1865 Abbruch des Spitaltors (1)
Grosse oder Stadtmühle gehört zum Spital

Das Spitaltor, auch Renninger Tor genannt war der östliche Zugang zur Stadt und Stand am linken Wurmufer beim Spital. Es war ein rechteckiger, unten massiver, oben aus Riegelfachwerk bestehender Torturm mit Wächterwohnung und Arrestzellen. Außen war der Reichsadler aufgemalt. Von diesem Tor führte über die Würm eine feste Brücke, auf der ein Schlagbaum stand. Das einstige Torhäuschen ist auf dem Plan von 1835 noch zu sehen. Merkwürdig ist, dass das Spitaltor, dass man am ehesten noch als Verkehrshindernis hätte ansehen können, erst im Jahre 1868 samt der zugehörigen Stadtmauer beseitigt wurde. Zwischen Spitaltoren rotem Turm gab es früher noch 2 kleine Durchlässe, dass Gerbertörle und das Mühltörle. (1)

Das Spital wurde um die Mitte des 14.Jahrhunderts von der Weiler Begine Hail Brotbeck gestiftet. Die Beginen waren Mitglieder einer religiösen Genossenschaft von Frauen ohne klösterliches Gelübde. Nach dem Tode der Stifterin übernahm der Rat der Stadt das Spital. Spitapfleger waren jeweils zwei Ratsherren. Der Besitz des Spitals vermehrte sich im Laufe des 15.Jahrhundert beträchtlich: etwa 150 Morgen landwirtschaftliche Nutzfläche, Frischwasser, eine Kelter bei der Wendelinskapelle, eine große Kelter unter dem Steinhaus, zahlreiche Geld-, Frucht- und Hauszinse bis nach Böblingen und Kaltental und vor allem der von 1498 an erworbene Ihinger Hof. Den Hof musste die Stadt nach dem Brand an Württemberg verkaufen. Heute ist er landwirtschaftliches Versuchsgelände der Universität Hohenheim. Die Insassen des Spitals waren Pfründner, sie sich in die Stiftung einkauften, und Arme, die beim Eintritt mit Leib und Gut dem Spital verfielen. 600 Jahre lang war das Spital Alters- und Pflegeheim der Stadt, bis 1953 das neue Altersheim auf dem Heinrichsberg gebaut wurde. 1970 wurde der Spitalhof endgültig aufgelöst. (1)

Das Weiler Spital „Zu unserer lieben Frau“ – im Volksmund „dr Spittl“ genannt – wurde in der Zeit nach dem „schwarzen Tod“, der großen Pestepidemie des 14. Jahrhunderts, gegründet. Das Spital war zugleich Altenheim, Armenhaus, Waisenhaus, Krankenhaus und Fremdenherberge. Die Weiler Begine („gaistliche tochter“) Hail Brotbegkin stiftetet 1371 fast ihrgesamtes Vermögen dem Spital. Das Spital wurde nicht von Ordensleuten geleitet, sondern von einem städtischen Spitalmeister, dem ein Bettelvogt zur Seite stand. (2)

Das Hauptgebäude entlang der Stuttgarter Strasse mit seinem alemannischen Fachwerk – erkennbar an den angeblatteten Kopf- und Fußbändern der Ständerbalken – entstand in der Zeit um 1500. Bei einem Brand wurde 1995 der alte Dachstuhl zerstört. Bauinschrift von 1588 mit den Namen der ehemaligen Spitalpfleger Weißer und Siglin und dem Steinmetzzeichen des Baumeisters Hans Decker. Die Wirtschaftsgebäude im Innern des Spitalhofs zeugen vom einstigen Wohlstand des großen Gutsbetriebes, der bis 1953 bestand. Am der der großen Scheuer (Nordseite des Spitalhofs), wo heute die Narrenzunft ihre Wagen für den Fasnetsumzug baut, ist auf einer Bauinschrift von 1562 der Name von Keplers Großvater Sebald festgehalten, de damals Spitalpfleger war. Der Spitalbrunnen von 1764 wird über eine Leitung vomSpitalweiher außerhalb der südlichen Stadtmauer gespeist. (2)

Im unteren Stock befanden sich die Siechenstube, die Schmiede und der Pferdestall, im oberen die Stuben der Spitalpfründen. (2)

Zum Spital gehörten einst 240 Morgen Ackerland, Wiesen und Weinberge. Außerdem hatte es bis zum Ende des dreissigjährigen Kriegs den Ihinger Hofs in seinem Besitz, ferner die Planmühle, die Kelter vor dem Untertor, den Keller unterm alten Rathaus, die Heiligkreuzkapelle und das Gutleuthaus an der Strasse nach Merklingen, in dem die Leprakranken untergebracht waren. (2)

An der östlichen Aussenwand zur Würm hin befindet sich ein steinerner Christuskopf aus dem 14. Jahrhundert. Er machte die Kapelle nach aussen als Gotteshaus kenntlich und zeigte an, bis wohin die Zuständigkeit des Spitals für die Unterhalting der Stadtmauer reichte. (2)

...die Kapelle wurde 1364 geweiht und in späteren Jahrhunderten mehrfach umgebaut.. An der Rückwand der Kapelle sind 10 von ursprünglich 15 bemalten Rosenkrankzmedaillons aus dem 17. Jahrhundert angebracht. Auf jedem der Tonreliefs ist ein „Geheimnis" der drei Rosenkranzgebete abgebildet. Vermutlich wurden sie in Oberschwaben gefertigt und stammen von einem Altar des ehemaligen Kapuzinerklosters. St.Severus, der Schutzheiliger der Tuchmacher, die eine der wichtigsten Zünfte der Reichstadt bildeten, ist zweimal in der Kapelle dargestellt: links vom Eingang als Statue aus der Zeit der Spätgotik, rechts vom Eingang auf einer Zunfttafel von 1668, auf der die Legende des Heiligen festgehalten ist. . St.Severus hat als Attribut einen sog. Wollbogen, ein altertümliches Gerät zur Herstellung von Filzstoffen. Die Darmsaite des Bogens wurde über der auf einem Brett ausgebreiteten Rohwolle in Schwingungen gebracht, so daß die Wolle aufgewirbelt wurde sich beim Absinken verfilzte. Der Wollbogen taucht in der Kapelle nochmals auf: als Attribut Jacobus d.J.auf dem Apostelaltar. (2)

Weitere Skulpturen im hinteren Teil der Kapelle: St.Nepomuk (Wandnische), spätgötische Pieta (Rückwand). Die barocken Kirchenbänke: die geschnitzen Wangen stammen des Gestühls stammen aus Tannhausen bei Aalen. Zur Ausstattung der Kapelle gehörte einst noch eine sehr schöne gotische Madonnan aus der Zeit um 1420. Sie befindet sich heute im Depot des württembergischen Landesmuseums in Stuttgart. (2)

Das Arma-Christi-Fresko an der Nordwand stammt noch aus dem 14. Jahrhundert und wurde erst im Jahre 1977 wiederentdeckt und freigelegt. Es zeigt Christus, umgeben von seinen Leidenswerkzeugen, den sog. „Arma“, d.h. den Waffen Christi, die in seinem Erlösungswerk eine Rolle spielen. Die Darstellung der „Arma Christi“ war seit dem 14. Jahrhubdert ein weitverbreitetes Motiv. Das Fresko diente als Vorstellungshilfe beim mediatativen Nachvollzug der Passion. (2)

Einige interessante Dateils (v.l.n.r.) Lanzen, Essigschwamm und Leiter, dazwischen die sieben Fußabdrücke auf dem Kreuzweg – drei Kreuzigungsnägel, Hammer und Zange – der Messer der Beschneidung – die Spottfratze über der Geisselungssäule, einen Juden darstellend, erkennbar am spitzen Hut, der den Juden im Mittelalter vorgeschrieben war – die Dornenkrone mit Kreuz – der Hahn, der nach der dritten Verleugnung Christi gurch Petrus dreimal krähte – die Würfel, mit denen die Kriegsknechte um das Gewand Christi spielten - die dreißig Silberlinge des Judas – unten vermutlich ein Stifterpaar (2)

Der Hochalter „ die Sippe Mariens“: Sautter schreibt dieser überregional bedeutenden Weiler Werkstatt eine Reihe von Bildwerken in Kirchen der Umgebung zu (Tiefenbronn, Eltingen, Neuhausen, Malmsheim u.a.). Matthäus Weinmann, Schöpfer des zerstörten Hochaltars der Stadtkirche, gehörte ihr auch an. . Man glaubte bisher, der um 1480 entstanden ist, sei nicht für die Spitalkapelle geschaffen sondern angekauft worden. Neueste Stilanalysen (Heribert Sautter) sprechen jedoch dafür, daß er wohl eher das Hauptwerk einer bedeutenden Weiler Bildhauerwerkstatt der Stätgotik ist. Die beiden Flügel sind verlorengegangen. (2)

verwendete Quellen:

1) Das alte Weil – Ein Streifzug mit Tusche und Feder durch die ehemalige Reichstadt; S.Schütz/W.Schütz 1971/1999
2) Die historische Altstadt von Weil der Stadt, W.Schütz (Stadt Weil der Stadt 1996)

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